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Termin Informationen:

  • Mi
    06
    Jun
    2018

    Ein Fall für Fünf - Riehm, Hoffmann, Frank

    Basel (CH)

    Ein Fall für Fünf: Eine Konzert-Ermittlung des Eunoia Quintetts

    Konzertorte

    Gare du Nord, Basel (CH) 06. Juni 2018
    L’Abri, Genf (CH) 07. Juni 2018
    Studio für Neue Musik, Würzburg (D) 11. Juni 2018
    Haus am Dom, Frankfurt (D) 18. Juni 2018
    Tankturm, Heidelberg (D) 29. Juni 2018

    In seinem neuen Konzertprogramm führt das Eunoia Quintett eine musikalische Spurensuche durch.
    Auf kriminalistische Art wird dabei sprachlichen, politischen und kulturellen Themen nachgegangen.
    Dank der Unterstützung durch Schauspiel und multimedialen Elementen entwickelt sich der
    Konzertabend zu einem rätselhaften und spannenden „Hörspiel“.

    Das Programm gliedert sich in drei Fallstudien: Robin Hoffmanns musikalische Ermittlungen zur
    Klangqualität des Buchstaben E, Rolf Riehms „Mikro-Oratorium“, das einen Polizeibericht des
    kriminalistisch immer noch ungeklärten Todes von Pasolini neben die Passionsgeschichte stellt und
    Andreas Franks „Krimi“ mit Live-Video laden zum Erleben einer modernen Kriminalgeschichte ein.

    Programm

    Robin Hoffmann E-Musik 2017 Uraufführung, 25 Minuten
    Als Grundlage dieses neuen Werkes hat Robin Hoffmann eine musikalische Analyse des Buchstaben E in
    Jakob Grimms Deutschlexikon von 1854 vorgenommen. Im Text, den Hoffmann gewählt hat, benutzt
    Grimm 353 Wörter in denen der Buchstabe E vorkommt, durch welche alle Varianten der E-Klänge in
    der deutschen Sprache aufgezeigt werden. Diese Untersuchung des E in der gesprochenen Sprache
    deckt viele Unregelmässigkeiten und Gegensätze zur Schriftsprache auf. Hoffmann benutzt die
    Gruppierungen und den natürlichen Rhythmus der Wörter als strukturelle Basis für sein Stück und
    nutzt den sich unentwegt wandelnden E-Klang für Farbe und Gliederung. Das daraus entstehende
    Stück ist eine akribische Ermittlung zum Klang des Buchstaben E.

    Rolf Riehm Pasolini in Ostia 2013 Schweizer Erstaufführung, 30 Minuten
    Pasolini in Ostia beruht auf einem Bericht zum Tod des Filmemachers Pier Paolo Pasolini unter
    rätselhaften Umständen, die bis heute unaufgeklärt sind. Pasolinis Beschäftigung mit politischen und
    sozialen Tabuthemen verschaffte ihm viele Feinde in Italien. Er webte oft
    religiöse Themen in seine Werke und zog die Passions-Geschichte in seine Filme hinein. Zu Ehren
    dessen hat Riehm eine moderne Passions-Geschichte zum Tode Pasolinis komponiert, die er als „Mikro-
    Oratorium“ beschreibt. Das Stück beinhaltet vier ausgedehnte vokale „Arien“ mit selbständigen instrumentalen Abschnitten.
    Die Texte sind übereinandergelegte wortgetreue Ausschnitte des Polizeiberichts zu Pasolinis
    Festnahme und Tod, und Abschnitte aus der Liturgie und der Passions-Geschichte nach Matthäus. Der
    Text wird durch kurze „tableaux vivants“ unterbrochen, in denen die Sängerin scheinbar unwichtige
    Aktionen der Textfragmente mimt, zum Beispiel die Erwähnung des Essens von Oliven aus dem
    Matthäus Evangelium. Der filmische Aspekt dieser Tableaus wird durch Texte unterstrichen, die auf
    eine Leinwand hinter den Musikern projiziert werden. Hieraus entwickelt sich ein faszinierendes
    Puzzle, das sowohl als Ermittlung, Verschwörungstheorie und historisches Dokument erscheint.

    Andreas Frank Judgeheads 2017 Uraufführung, 15 Minuten

    Für das Neue Werk, welches ich für Eunoia schreibe, wird sich das Quintett einem postdramatischen, kafkaesken Prozess (Verhandlung/Urteil) unterziehen, der zum Teil ironische oder gar Groteske Züge annimmt. Die Sopranistin findet sich in der Situation einer Anklage, durch die „Judgeheads“ wieder. Es ist nicht ganz klar für welches Vergehen die Sopranistin angeklagt ist, vielmehr wird die Überwältigung des Individuums durch eine höhere Gewalt (den Judgeheads) thematisiert. Als würde jemand im falschen Moment aufwachen, oder anders ausgedrückt, genau richtig zur Urteilsverkündung, ohne Beweissammlung, ohne zu wissen welches das Vergehen ist, für das man auf der Anklagebank sitzt! Die Judgeheads spielen hier die Urteilssprecher und Vollstrecker, sie sind eine Art Menschmaschine, kalt, logisch, gleichgeschaltet, was sich auch in den Klängen die sie von sich geben wiederspiegelt. Dennoch soll der Zuschauer auch zu den Judgeheads Empathie aufbauen können, da sie durch das Musizieren ein Rest an menschlichen Antlitz ausstrahlen. Denn die Judgeheads sind die übrigen Musiker des Ensembles, welche eingehüllt in einfache Papierkostüme von einem Beamer angeleuchtet werden und so ihre „Rolle“ als Menschmaschinen und Urteilsverkünder aufprojiziert bekommen. Natürlich ist der wesentliche Handlungsstrang die Musik, der Klang, der sich ausgehend von der Sprache zu einer assoziativen Fantasiesprache, bestehend aus Instrumentalklang, Sprachfetzen und elektronischen Samples entwickelt. Je nach Charakter der Musik, des Klanges, des Bildes und des zugrunde liegenden Textes definiert sich die Rolle der Musiker ständig neu und bleibt über das Stück hinweg im Wandel. Der Zuschauer soll durch einen reflexiven Moment am Ende des Stückes dazu angeregt werden über diesen Prozess zu reflektieren, das Stück soll nachwirken und dazu anregen darüber nachzudenken, wie wir mit pauschalen Urteilen in unserem Alltag um uns werfen und beworfen werden.

    Konzertorte

    Gare du Nord, Basel (CH) 06. Juni 2018
    L’Abri, Genf (CH) 07. Juni 2018
    Studio für Neue Musik, Würzburg (D) 11. Juni 2018
    Haus am Dom, Frankfurt (D) 18. Juni 2018
    Tankturm, Heidelberg (D) 29. Juni 2018